Tom Schilling & The Jazz Kids – Vilnius

Tom Schilling & The Jazz Kids - Vilnius

Tom Schilling & The Jazz Kids – Vilnius

Ok….bewiesenermaßen talentierter deutscher Schauspieler wagt sich an einen musikalischen Querverweis. Das hat in der Vergangenheit eher für grausige Veröffentlichungen gesorgt. Und die Ahnung, dass all dies wohl vermehrt dem finanziellen Gewinn gilt, schwingt immer mit, wenn einer der Bekannten ein Album raushaut. Nun Tom Schilling. Man fragt sich – wie bei allen anderen zuvor: “Warum?”. Und selten wie jemals zuvor präsentiert sich die Antwort mit einem klaren: “Darum”. Denn wer Tom Schilling – seinen Werdegang, seine Leidenschaften kennt, der weiß, dass sich hinter seinem schaupielerischen Talent mehr als der typische deutsche Schauspielhalunke versteckt. Die Formation “Tom Schilling & The Jazz Kids” ist schnell gefunden, die Texte scheinen nur darauf gewartet zu haben, dass ihnen eine Stimme verliehen wird. Ein Album ist also eher schnell zusammengestellt. Schilling als bekennender Freund von Nick Cave gibt die Richtung vor. Und alles weitere folgt. Nach “Vilnius”.

Wie fasst man dieses Album nun in wenigen Worten zusammen? Ganz klar – Sven Regener klopft nicht nur deutlich an, sondern schwingt bei jedem Titel mit. Das ist selbstverständlich nicht gewollt, aber in einer Welt, in der sich die deutschsprachige Gesangspoesie auf ein einstelliges Minimum reduziert, ist es denkbar schwer, keine Parallelen zu Element Of Crime zu ziehen. Automatisch. So ist es auch bei Tom Schilling. Sprechgesang, kryptisch poetische Texte, weniger untermalt von Jazz, vielmehr von einer Formation, die sich darauf versteht, die stillen Untertöne hervorzuheben. Denn das ist “Vilnius” letztlich: ein leises Album. Gespickt mit feinen Zwischentönen, Halbwahrheiten, verkapselten Wünschen und Gefühlsausbrüchen. Mag man Tom Schilling vorwerfen, dass man all das irgendwie irgendwo schon mal gehört hat. Egal. In der Summe ist “Vilnius” doch etwas Frisches, das man auf dem Feld der deutschsprachigen Musik gern vergeblich sucht. Fern von überladenem Kitsch, manchmal doch nah dran, aber letztlich für sich selbst stehend. Ein Profil im Anfangsstadium, gelungen und klassisch schön. Es gibt nicht Schlechtes an Tom Schilling & The Jazz Kids – obwohl die “Jazz Kids” an sich glatt und eiskalt gelogen sind. Die Neugier auf mehr Kontinuität und Präsenz lassen erhoffen, dass da noch mehr kommt, als Uwe Ochsenknecht und Jan Josef Liefers (sorry!) bisher dargeboten haben. Irgendwie und irgendwo hat man allerdings bereits gehört, dass das sehr wohl der Fall sein wird. Nämlich dann, wenn man diesem Album sein Gehör so ganz schenkt.

Tom Schilling & The Jazz Kids im Internet:
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Tourdaten:
07.05.2007 – Strom, München
08.05.2017 – Karlstorbahnhof, Heidelberg
09.05.2017 – Brotfabrik, Frankfurt
10.05.2017 – Stadtgarten, Köln
11.05.2017 – Nochtspeicher, Hamburg
12.05.2017 – Columbiatheater, Berlin (ausverkauft)