Nachdem mittlerweile schon einige Tage zwischen mir und dem Berlin-Konzert von Mando Diao in der Zitadelle Spandau liegen, komme ich trotzdem nicht umhin, darüber zu berichten.

Normalerweise möchte ich ja keine Band verreißen, wenn ich schon deren Konzerte besuchen darf. Ich sehe mich auch eher als Reporter für alle Nicht-Anwesenden denn als überkritischer Nörgler. Eigentlich. Aber heute muss ich eine Ausnahme machen – Mando Diao zwingen mich regelrecht dazu.

Okay, zugegeben, beim ersten Song „If I Don’t Have You“, der dem kürzlich an Krebs verstorbenen Drummer von Sugarplum Fairy, Kristian Gidlund, gewidmet ist, habe ich mich doch glatt dabei erwischt, mitzusummen, wenn nicht gar, mitzusingen – ohne den Text wirklich zu kennen. So weit, so gut. Was danach kommt, ist schnell erzählt.

Mando Diao im trashigen Bühnen-Outfit

Die schwedischen Bandleader Gustaf Norén und Björn Dixgård, die heute in schwarzen Möbelpacker-Blaumännern und neonfarbenen Sneakern mit Flügeln erschienen sind, spielen ihre Songs vor einer futuristisch-geometrischen Bühnen-Dekoration runter wie jemand, der es eilig hat. Dass sie angeblich so froh sind, in Berlin zu sein, nimmt man beiden irgendwie nicht ab, zu austauschbar sind ihre Phrasen und Gesten. „Women are the saviours of the world, did you know that?“, fragt Björn Dixgrad alle weiblichen Gäste. Okay.

Kurz zuvor stellt Gustaf Norén auch das Motto des Abends  klar, als er lauthals durchs Mikrofon ankündigt: „We don’t wanna live in this world anymore!“ Diese Meinung scheinen Mando Diao dann wohl exklusiv zu haben, mal abgesehen von ein paar jubelnden Zuschauern, die entweder suizid veranlagt sind oder nicht so gut englisch verstehen. Aber das ist ja irgendwie auch deren Problem.

Womit wir aber beim Publikum wären, dass sich aus heterogenen Leuten zwischen 25 und 45, aber auch einigen Endfünfzigern, die als Aufsichtspersonen ihrer Sprößlinge fungieren, zusammensetzt. Spätestens, als Gustaf Norén nach Liedern wie „Long before Rock’n Roll“, „God Knows“ und „Down In The Past“  mit “I’m gonna stand here and sing till I die, motherfuckers!“ seinen morbiden Gedanken erneut freien Lauf lässt, ist hier und da ein Rümpfen in den Gesichtern der Erziehungsberechtigten zu erkennen. Gefolgt von einem besorgten Blick auf die mitgebrachten Teenager.

>> Alle Fotos von Mando Diao @ Zitadelle Berlin findest du auch auf Flickr

Mando Diao – Rock’n Roll, Mainstream oder Pseudo-Boy-Group?

 

Sind Mando Diao etwa doch nicht so Mainstream? War das eben Rock’n Roll, das mit dem M-Wort? Könnte man fast meinen. Oder sich einfach nur gelangweilt ein weiteres Bier holen. Nur um dann festzustellen, dass mittlerweile ein Rastafari im weißen Overall auf der Bühne performed, genauer gesagt, seine Arme und ein kleines Jamaica-Fähnchen hin und her schwingt. Sonst macht er eigentlich nichts. Den Rest des Konzertes wird er nicht einen musikalischen Beitrag leisten. Vielleicht ist das ein Gag, den ich nicht verstehe.

Das Konzert wird immer mysteriöser, wenn nicht gar anstrengend. “Black Saturday” noch und dann ist nach nicht einmal 90 Minuten auch schon Schluss. Zugabe? Fehlanzeige. Schwer vorstellbar, dass sich unter den Zuschauern welche finden, die heute voll auf ihre Kosten gekommen sind.

Man kann das Ganze aber auch einfach so formulieren: Wer an gute Rockabende in der Zitadelle denkt, der hat dieses Mando Diao Konzert vermutlich bereits aus seinem Gedächtnis gestrichen.

Nur ich musste ja noch diesen Artikel hier schreiben und mich erinnern. Aber zum Glück kann Erinnerung verblassen.

 

Mando Diao im Internet:

Offizielle Homepage: www.mandodiao.com
Facebook: www.facebook.com/mandodiaomusic