Kraftklub @ Arena, Berlin | 18.09.2014Sieben Konzerte in sieben Städten in nur elf Tagen. Es klingt verrückt, geht aber noch verrückter. Immerhin stecken Kraftklub dahinter. Alle Konzerte zwischen dem 11. und 21. September der Lieblingschemnitzer waren kostenlos! Alles, was die Fans tun mussten, war die Route des “Konvoi in schwarz” auf der Band-Homepage verfolgen und am Tag des Konzerts fleißig tweeten. Denn waren insgesamt 3000 Tweets mit der entsprechend vorab bekannt gegebenen Stadt als Hashtag sowie #inschwarz geschafft, wurde der Ort der Bändchenausgabe für die kostenlosen Tickets genannt. Kurz danach folgte dann die Bekanntgabe des Konzertortes.

So lief auch die Schnitzeljagd am vergangenen Donnerstag ab, als Kraftklub im Rahmen ihrer Promo-Tour zum neuen Album “In Schwarz” in Berlin Halt machten.

Vormittags: Bestätigung, dass Berlin am Abend bespielt wird.
Mittags: 3000 Tweets mit #Berlin #inschwarz sind geschafft! Bekanntgabe, dass die Bändchen in der Eberswalder Straße warten.
Nachmittags: Alle Bändchen sind an den Handgelenken der Fans fest verzurrt und die Ansage, dass das Konzert auf dem Außengelände der Arena Treptow stattfindet.
Abends: 19 Uhr Konzertbeginn und 20 Uhr Konzertende.

Dies sind die Randfakten der medienwirksamen Vermarktungsstrategie zum Nachfolger-Album “Mit K”. Diese funktionierte bereits in den anderen Städten perfekt und sollte auch in den nächsten Tagen von Erfolg gekrönt sein. Besonders in der Heimatstadt Chemnitz, die am Samstagabend mit einem Guerillakonzert auf dem wohl größten Platz der Stadt beschenkt wurde und knapp 10.000 Fans anlockte. Auch wenn das Gespann hier auf die Ausgabe von Bändchen natürlich verzichtet hatte.

In Berlin wären auch gerne mehr Fans auf das Areal zum Rocken gekommen: Doch der Platz war begrenzt, die Tränen groß und so konnten nur knapp 500 Besucher am Abend mit Kraftklub rocken plus jene, die schnell und schlau genug waren und sich noch fix ein Boot gemietet hatten, um von der Spree aus dem Konzert beizuwohnen.

Kurz nach 19 Uhr stürmte dann also die Chemnitzer Gang auf das Dach eines Busses, der eigens umgebaut wurde und durch einen geflügelten Energy-Drink-Herstellers und das kreative Chaos nahm seinen Lauf.

Anküpfend an den Festivalsommer macht sich das neue Bändchen nicht nur fesch am Handgelenk, die Fans standen am Donnerstagabend auch noch gut im Open Air-Stoff und so folgten Moshpit auf Moshpit und auch die Crowdsurfer konnten ein angenehmes Bad in der Menge nehmen – mit dem Segen von Felix Brummer persönlich versteht sich. Denn mit Seitenhieb auf so manche Konzertverbote, forderte er nach maximalster Interaktion und bot dem drohenden Chaos aber klein wenig Einhalt: „Benehmt Euch! Wir haben keinen Bock, dass auf einmal alle Mädchen wegbleiben“.

Los ging’s mit “Hand in Hand” und “Wie ich”, zwei neuen Songs vom neuen, zweiten Album. Damit die ohnehin schon brodelnde Stimmung so richtig aufkochende folgte dann gleich “Ich will nicht nach Berlin” und lieferte so fast erwartungsgemäß einen ersten großen Höhepunkt, das natürlich mit einem kecken Spruch und viel Ironie genossen wurde. Im mittleren Teil folgte dann der “Chemnitz-Part”, der mit “Meine Stadt ist zu laut” einen brandneuen Track und textlich verpackte Kritik am lokalen Sterben der Club-Kultur übt und schließlich mit der Mit-Gröhl-Nummer “Karl-Marx-Stadt” noch einen oben drauf setzt.

Aufgrund der auf lediglich eine Stunde terminierten Auftrittsgenehmigung und wohl auch ein wenig der Übertragung im Radio geschuldet, gaben Krafklub bei “Songs für Liam” noch einmal alles und konnten “Randale” und “Scheissindiedisko” zum Schluss nur noch kurz angespielen. Zum Ende noch ein wenig mit dem T-Shirt wedeln und Winke-Winke und schon war der Spuk wieder zu Ende.

Sicherlich, man könnte Kraftklub viel vorwerfen. Überbewertet. Zu viel Hype. Zu viel Buhei. Hipster. Mangelndes Können. Um nur ein paar online findbare Stichworte zu nennen. Sicherlich ist dem Quintett allein mit dieser “Konvoi in schwarz” ein medienwirksamer Marketing-Coup gelungen. Die Verkaufszahlen des neuen Albums “In Schwarz” sprechen Bände, immerhin befindet sich die Kombo gerade auf Platz 1 der Albumcharts. Dennoch hat der Abend, streng genommen eigentlich die gesamte Mini-Tour, gezeigt, dass Musik fernab jeglicher Routine noch richtig aufregend und spannend sein kann und sich ehrliche Musik mit einer großen Portion Selbstironie und Cleverness durchsetzt.

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Foto: Markus Werner