Interpol – El Pintor (Review)

Interpol Albumcover © SoftLimit-PIASCooperative

Interpol Albumcover © SoftLimit-PIASCooperative

Tradition verpflichtet. Das wissen auch Interpol und bleiben sich und ihrem vernebelten, melancholischen Post-Punk auch auf  “El Pintor” treu. Beim Hören fällt allerdings auf, dass sich ein paar eingeschlichene Marotten des 2010er Albums “Interpol” mit auf den inzwischen fünften Langspieler der New Yorker herüber getragen haben.

Bisher waren Interpol der Inbegriff des düsteren Indie-Rocks, der mit New Wave- und Punk-Einflüssen gespickt, große Klangwände aus flirrenden Gitarren, pulsierenden Synthies, treibenden Bässen und jeder Menge Dramatik, die in der Stimme von Sänger Paul Banks mitschwingt. Eine begeisternde Kombination, die gewissermaßen zum Markenzeichen der Band avancierte und damit Interpol unverkennbar machte, sodass sie locker mit Acts wie den Editors oder The National an der Spitzes dieses Genres thronen können.

El Pintor” kommt auch bei den ersten Hördurchläufen wertkonservativ wie immer daher und besondere Innovationen fallen zunächst nicht auf. “Breaker 1” oder “My Desire” setzt auf die gewohnten Muster und die dunkle Tragik. Doch steckt die Faszination dieses Mal im Detail und macht damit die Platte wahrscheinlich zur besten seit dem 2004er “Antics”. Denn im die dunkle Klangwelt der New Yorker beginnt hier und da zu bröckeln! Songs wie “Everything is Wrong”, “My Blue Supreme” oder “Same Town New Story” bieten plötzlich und auf einmal großflächig Raum für magisch-flirrende Lichtspiele, sodass man sich darin regelrecht verliert, ohne sich auch nur ansatzweise unwohl zu fühlen. Im Gegenteil: Man erwischt sich sogar bei dem Gedanken “Wieso haben Paul Banks und Co. das nicht schon viel eher gewagt?!”. Der finale malerische Tusch kommt schließlich am Ende mit “Twice as Hard”, der alt und neu, Licht und Schatten grandios kombiniert, das Album ideal abrundet und damit dem Ganzen den perfekten Anstrich verleiht.

Bisher standen Interpol traditionsgemäß für kühleres Albumkalkül. Mit “El Pintor” wenden sie sich nun erstmalig davon ab, ohne jedoch sich selbst zu verraten oder ihre Fans zu verprellen. Im Gegenteil, die etablierten Marotten stehen den New Yorkern ganz gut. Wäre der Albumtitel, der eigentlich ja nur lapidar “Maler” bedeutet, nicht ein Anagramm des eigenen Namens, hätte er dennoch nicht besser gewählt sein können. Denn trotz oder gerade auch wegen der neuen Lockerheit sitzt jeder musikalische Federstrich perfekt.

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