Sollte der Dienstagabend in einem Wort zusammengefasst werden, so wäre kurios wohl am treffendsten. Denn das Konzert der Eels im Berliner Tempodrom am Dienstagabend war von kuriosen Momenten nur so durchzogen.

In ihren locker sitzenden, aber dennoch schnieken Anzügen schlenderten E und seine vier Kumpanen kurz nach 21 Uhr auf die Bühne und grüßte die knapp 4000 Besucher mit einem „Guten Abend my Schatzi“. Während die Amerikaner dabei um die Wette grinsten, erinnerten sie nicht zuletzt auch wegen ihrer Bärte und Sonnenbrillen an eine jüngere Version von ZZ Top. Da tröstete es auch hinweg, dass diese „my Schatzi“-Nummer inzwischen mehr ein Running Gag als noch ernstzunehmende Unterhaltung ist. Nicht zuletzt auch, da Mark Oliver Everett, kurz E genannt, diese liebevoll anmutende Anrede schon bei vorherigen Auftritten gebracht hatte und noch dazu fast jede seine Ansprache am Dienstagabend mit eben diesen beiden Wörtern begann oder endete. Alternative Satzbestandteile waren darüber hinaus „bummer“ oder „love“. Oder anders ausgedrückt: Everett hatte gute Laune und seinen eigenen Spaß.

Diese verschroben-amüsante Atmosphäre passte dennoch nur halb zu den durch Bitterkeit, Melancholie und Sarkasmus geprägten Songtexte der Eels und verstärkte dies sogar noch mehr. Vor allem auch, da Everett immer wieder zwischen Mikrofon, Gitarre und seinem Klavier hin und her wechselte und zwischendrin seine ironischen Späßen anbrachte. Besonders paradox mutete aber das bunt gemischte, treue Publikum an. Denn das deckte nicht nur alle Alterskohorten ab, sondern auch alle Trends und Kleidungsstile der letzten fünf Jahrzehnte und so saßen lässige Trainingsanzüge direkt neben edelsten Designerkleidchen. Während manch einer gerade noch seine teuren Nikes vom Schlamm befreit hatte, entledigte sich der andere noch seiner Ledertreter. Irgendwie kurios und beklemmend zugleich! Besonders auch, da es während des Konzerts im Tempodrom scheinbar für alle nur zwei Regeln zu geben schien: Sitzen und Klatschen. Jedwedes Ausbrechen und Eintauchen in (eigentlich ja passendes) Rock’n’Roll-Verhalten wurde mit kritischen bis zuweilen bösen Blicken oder gar mit Rügen der Sicherheitsmitarbeiter schwer geahndet. Die Handvoll „rebellierender“ Fans, die spontan ein Tänzchen wagten, mussten dies am eigenen Leib erfahren. Mit den Eels hingegen wurde liebevoller umgegangen, sogar so sehr, dass die überschwängliche Lobhudelei in Form von tosendem Applaus schon weit vor dem Ende der Songs einsetzte, lange anhielt und bei der Forderung nach zwei Zugabeblöcken sogar mit lautstarkem Getrampel unterstrichen wurde.

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Die große musikalische Qualität der Eels kam dennoch nicht zu kurz. Die Leidenschaft der Musiker, sofern man das alberne Drumherum ignorierte, war dennoch jederzeit zu spüren. Denn trotz der gemimten Lockerheit herrschte bei den Amerikanern detailverliebte Professionalität. Der raubbeinige Multi-Instrumentalist E performte so mit viel Hingabe den musikalischen Querschnittsmix der letzten beiden Bandjahrzehnte, indem sich alte und neue Songs wie „My Beloved Monster“,„A Daisy Through Concrete“ oder „Last Stop: This Town” aneinander reihte. Nicht aber ohne die nötige Portion Ironie versteht sich und so lockerten freie Interpretationen von Elvis’ “Can’t Help Falling in Love“ und Journeys „Small Town Girl“ die Show auf und bereiteten ein gelungenes Konzertende.

Nachdem E im Laufe des Abends bereits schon Luftküsse an Publikum und Band verteilt hatte und Letztere auch schon geherzt hatte, fühlte er sich gegen Ende des knapp 90-minütigen Konzerte im Tempodrom bereit für noch mehr „hugs“ und machte sich ins Publikum auf, um sich mit seinen Fans gegenseitig in die Arme zu fallen. Da auch dies nichts komplett Neues war, warteten eingefleischte Fans nur auf diesen Moment. Andere realisierten diesen „großen“ Moment später und so befand sich der Saal plötzlich in Aufruhr. Plötzlich herrschte (das erste Mal an diesem Abend) ausgelassene Lockerheit. Während der Vorhang mit den vielen warmen Leuchten im Takt flackerte und der minimalistische Kronleuchter aus ein paar herabhängenden Glühbirnen über der Bühne schwankte, herrschte doch noch heimelige Wohlfühlatmosphäre. Ein verrückter Abend!

Eels im Internet:
Offizielle Homepage: www.eelstheband.com
Facebook: www.facebook.com/THEEELS

http://www.youtube.com/watch?v=vkMNdCJROOc

Fotos: Gerno Schwidrowski