DER KÖNIG TANZT, besser bekannt als Boris von FETTES BROT, nutzte die Ende 2010 eingeläutete Schaffenspause seiner Hauptband, um mit Musiker/Produzent Arne Diedrichson an einem Soloalbum zu basteln. König Boris beehrte einen Tag nach der Albumveröffentlichung von „Der König tanzt“ das Wiener Flex – im Rahmen eines Überraschungskonzertes des öffentlich-rechtlichen Alternative-Radiosenders FM4. Dabei sein konnten allerdings nur Fans, denen das Verlosungsglück hold war. Doch die prall gefüllte Konzerthalle wurde Zeuge eines extraordinären Konzertes.

Die vierköpfige Liveband bestehend aus Bass, Schlagzeug, Gitarre und Keyboards sowie König Boris am Mikrofon bewiesen eindrucksvoll, dass der Name des Projektes auch live Programm ist und in der Live-Darbietung sogar noch fetziger und rockiger rüberkommt als auf dem Album. Dabei von besonderer Mitreißkraft war beispielsweise der vorab erschienene Ohrwurm „Alles dreht sich“, der an diesem Abend dem Publikum wohl bekannteste Track des Albums. Doch auch der Titeltrack konnte durch seine Tanzbarkeit, geschmackvolle Synthie-Klänge und den gelungenen Text überzeugen. Er handelt – aus der Sicht des Verfassers dieses Reviews – von der Schönheit des Unvollkommenen, dem Druck des Dazugehörens und der Emanzipation des Individuums aus seiner eigenen Melancholie. Dies wird in den Strophen aus männlicher („Du fragst dich, warum’s dir so scheiße geht und du nur glücklich bist, wenn du mal Maßkleider trägst/Du fühlst dich ständig im Weg, obwohl du eigentlich immer schön zur Seite gehst“) und weiblicher („Du findest, dass du furchtbar hässlich bist, weil deine linke Brust größer als die rechte ist/Du denkst, dass das Leben schrecklich ist, weil du nicht wie die Mädchen aus den Heften bist/Du hast das Gefühl du wirst hier langsam verrückt“) Sicht erzählt. Die Überwindung dieses Pessimismus kulminiert am Ende des Liedes, wo es heißt: „Du schwörst dir: ‚Das ist für immer vorbei‘ Und du schreist: Der König tanzt, voller Anmut und Eleganz/Der König tanzt, das Licht geht an, damit ihn jeder gut sehen kann/Die Königin tanzt, ein ganzes Leben lang/Die Königin tanzt, durch’s ganze Land, es fühlt sich fast wie Schweben an/Es ist soweit, du hörst dich schreien: ‚Was einmal war ist für immer vorbei‘“. Gelungener könnte die Symbiose aus Musik und Text kaum ausfallen. Auch das weitere Songmaterial und dessen Darbietung konnten an diesem Abend überzeugen. Textlich fällt auf, dass sich König Boris durchaus ernsteren Themen widmet. Sei es, dass „reich“ sein nicht unbedingt glücklich macht und man sich die Vergangenheit zurücksehnt („Nur für 1 Tag“), eine Beziehung in die Brüche geht („Katzengold“) oder gesellschaftliche Missstände aufgezeigt werden („Schwanenteich“).

Wer sich Musik im Stile der Fetten Brote erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein, da das Album erfrischend ANDERS klingt. Nicht zuletzt aufgrund der Keyboardsounds und der großteils von König Boris GESUNGENEN Texte. Für all jene, die dem gegenüber aufgeschlossen sind, könnte es eines der Alben des Jahres werden. „Der König tanzt“ sei hiermit sowohl album- und konzerttechnisch allen Leserinnen und Lesern dieser Zeilen ans Herz gelegt.

Anspieltipps: „Alles dreht sich“, „Der König tanzt“, „Wunderbare Zeiten“, „Foto“, „Nur für 1 Tag“, „Schwanenteich“

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