Während der letzten zwei Jahre waren wir viel auf Tour und spielten überall unser Album “Wild Go”. Wir nahmen uns im Winter ein paar Monate frei für neue Songs und andere Projekte, bevor wir uns dann wieder neu formiert und mit “Who Needs Who” begonnen haben.

Und da ist es nun, das mittlerweile dritte Album von DARK DARK DARK, einer Band, die ich über die letzten Jahre hinweg sehr zu schätzen gelernt habe. Sie vermischen nicht nur exzellenten weiblichen Gesang mit Pianoklängen und Südstaaten-Blechbläsern nur weil diese Mischung mal eben noch nicht bei vielen Bands angesagt ist. Nein, vielmehr schafft es diese Band aus Minneapolis auf sehr natürliche Art und Weise, diese Bestandteile verdammt gut zusammen erklingen zu lassen.

Und auf diesem neuen Album klingt diese Mixtur nun noch selbstverständlicher. Schon die ersten Pianotöne des perfekten Openers und gleichzeitig Titeltracks ergreifen den Hörer sofort. Welch starke Melodie, welch wunderbar emotionale Harmonien und welch Einfachheit! Diese Melancholie klingt glaubhaft. Dann gibt es aber auch diesen verschrobenen New Orleans-Style Upbeat-Bläserpart am Ende des Songs. Normalerweise würde man sagen, dass so etwas ganz und gar nicht in eine Ballade passen würde. Aber Dark Dark Dark dürfen das. Sie können das. Und es klingt sogar logisch. Nun liegt ja Minneapolis gar nicht so nah an New Orleans. Das Ganze macht aber Sinn, da Marshall und Nona dort auch einige Zeit gelebt haben…

Als Marshall und ich angefangen haben, zusammen Musik zu machen, sind wir direkt nach New Orleans gefahren und haben einige Monate dort verbracht. Während der letzten sieben Jahre haben wir beide dort auch hin und wieder gelebt, zusammen und getrennt voneinander. New Orleans hat eine unglaublich lebhafte Musikkultur. Menschen spielen auf der Straße wo immer du auch gehst, Blaskapellen haben scheinbar den ganzen Tag über spontan improvisierte Performances und dunkle, verrauchte Clubs sind mit Jazz und Tanz den ganzen Abend über gefüllt. New Orleans füllte eine Lücke, von der ich nicht mal wusste, dass ich sie habe.

Manchmal begreift man auch nicht gleich, wie groß und episch diese Songs anwachsen können. Der Kern des bluesigen “Without You” ist ja eigentlich ganz simpel, aber ohne einen Bruch zu verursachen findet man sich irgendwann in einem Piano-Akkordeon-Supergesang-Gewitter wieder. Es fließt alles so nahtlos. Und wieder ist es die unglaublich schöne und glaubhaft natürliche Stimme von Nona Marie Invie, gepaart mit einem kompakt-präzisen Songwriting, das allein aus diesen beiden Bestandteilen einen Song schon bestehen und überzeugen lassen kann. Vielleicht an dieser Stelle ein kleiner Beweis? Das neue Video von “Tell Me” sei euch hier ans Herz gelegt:

“Who Needs Who” ist ein Album schweren Herzens; viel schwermütiger als vergangenen beiden Alben. Es gibt hier vorwiegend Balladen mit mehr als nur einem wehmütigen Unterton. Man nehme zum Beispiel das superlangsame und wahrhaft traurig klingende “Hear Me”: Der Teppich verzerrter (schmerzhafter) Gitarren ist so engmaschig gewebt, dass er dich herunterreißt, die Worte so klar und simpel, so unsäglich schön und wahrhaft betrübt gesungen, dass es nicht verwunderlich sein sollte in des Hörers Äuglein die ein oder andere Träne wiederzufinden… Vielleicht sogar der wichtigste Song des Albums?

Schwer zu sagen. Sie sind alle auf ihre eigene Weise wichtig. Musikalisch gesehen ist “Hear Me” der Song, bei dem ich ziemlich nervös war, ihn in die Gruppe einzubringen. Er schien mir so simpel, die Pianoparts sind so klar. Aber jeder war ganz begeistert, sein Scherflein beizutragen ihn zu dieser großen Soundlandschaft zu machen, die er nun ist. Vielleicht handelt der Song einfach davon, dass man erhört werden möchte. Manchmal ist es hart, sich zu Wort zu melden. Manchmal nicht.

Es ist nicht gerade unwichtig zu erwähnen, dass Nona Marie Invie und Multiinstrumentalist und der einzig weitere verbliebene der Originalbesetzung Marshall LaCount sich während der Arbeiten an diesem Album getrennt haben. Und sie spielen immer noch zusammen in dieser Band. Dieser Fakt macht das Album noch besonderer. Nona erklärt warum die Zusammenarbeit trotz der gekappten Beziehung weiterhin möglich ist:

Es ist möglich, weiter zusammenzuarbeiten, weil wir beide daran glauben, was alles aus diesem Projekt werden kann. Es ist wir eine wissenschaftliche Neugier. Es ist schwer, aber wir finden Wege, damit das Ganze funktioniert.

Es ist beachtlich wie perfekt die Musik selbst klingt, wenn doch der Kern der Band zu Zeiten so unsicher erscheint, gerade gegenüber sich selbst, wie Nona in einem Track-By-Track-Kommentar bei den Kollegen von thelineofbestfit.com erklärt. Zum Beispiel zum Song “The Secret”:

Zu dieser Zeit war ich mir meiner Beweggründe nicht ganz gewahr, ein Geheimnis sogar mir selbst gegenüber.

Und eine ähnlich düstere, zweifelnde Grundstimmung begleitet das Stück “Meet In The Dark”:

Ein weiterer Track über das Herumstochern in der Dunkelheit unserer Seelen, unsicher unserer Intentionen.

Mit “Who Needs Who” haben Dark Dark Dark eines der kreativsten und glaubhaftesten Alben des Jahres hingelegt. Und auch wenn diese Scheibe sehr melancholisch klingt, so ist es doch wie so häufig mit dieser Band: Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Denn nicht umsonst nennt sich die offizielle Bandseite brightbrightbright.com…

Tourdaten.
13.12.2012 Hamburg | Hafenklang
15.12.2012 Berlin | Bi Nuu

DARK DARK DARK im Internet.
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