Beck – Morning Phase (Review)

Beck – Morning Phase (Review)Sechs Jahre lang hat Beck Hansen alles Mögliche gemacht, nur kein neues Album. Nun erscheint “Morning Phase”, eine Art Fortsetzung von “Sea Change” (2002).

Es ist das Ergebnis einer geduldigen Reise. Über fünf Jahre hat Beck an diesem Album gearbeitet. Ein langer Entstehungsprozess, und den hört man. Das neue Beck-Album klingt ausgewogen und harmonisch, ruhig und kraftvoll, es hat nur einen Makel: Es ist zu geschliffen.

Wer sich auf “Morning Phase” becksche Quirkiness erhofft, wird bitter enttäuscht. Mit durchgängigen 60 beats per minute sind die Songs ungefähr doppelt so langsam wie sonst. Keine technischen Spielereien, keine aufwendige Produktion, keine schrägen Texte, nicht einmal der leiseste Anflug von Ironie oder Sarkasmus. An deren Stelle treten eine Akustikgitarre, lebenskluge Lyrics und gefühlvolle orchestrale Sounds. Damit folgt das Album einem ähnlichen stilistischen Ansatz wie zuletzt “Sea Change”. Selbst die Besetzung ist mit Jason Falkner, Justin Meldal-Johnson, Smokey Hormel, Roger Joseph Manning Jr. und Joey Waronker identisch.

Herzstück der Platte ist “Wave”, ein Track, der von mächtigen Streichern eingeleitet wird. Das klingt feierlich und erinnert ein bißchen an die Atmosphäre im Konzerthaus beim Anstimmen des Orchesters. Eine bedeutungsschwangere Präsenz, gegen die Becks beschwörender Tenor nur ankommt, indem ihm enthusiastisch eingesetzter Kathedralenhall zu mehr Raum verhilft. Genau diese Momente spirituell anmutender Besinnlichkeit geben “Morning Phase” einen leicht esoterischen Beiklang. Mantrahafte Textpassagen verstärken diesen Effekt ebenso wie die heiter gestreuten Anspielungen auf das kalifornische Frühstücksradio der 70er Jahre.

So bleibt “Morning Phase” schnell im Ohr hängen. Man kann das nun klasse finden oder ein bisschen doof oder vielleicht auch beides. Die Krux an derart lebensbejahender Musik: Sie ist zu harmonisch, das macht sie tendenziell langweilig. Vielleicht hat der Künstler zu lang daran herumgefeilt. Dabei den Blick zu sehr aufs innere Wohlbefinden gerichtet. Dass er damit nun endgültig erwachsen geworden ist, muss aber nicht befürchtet werden. Das nächste infantile Album kommt bestimmt.

“Morning Phase” erscheint heute – am 28.02.2014 via Capital Records/Caroline International.

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